Weibliche Aussichten…

Weibliche Aussichten… 
oder was werden wir Frauen tun? (geschrieben Jänner 2001)

Vor etwas mehr als einem Jahr war die allgemeine Aufregung um die Zukunft wohl auf einem Höhepunkt. Der Jahrtausendwechsel stand bevor und auch sonst eher unerschütterliche RealistInnen oder Skeptikerinnen bekamen was ab von diesem besonderen Feeling Nun ja, längst ist Ruhe eingekehrt in die Gemüter und im Nachhinein gesehen hat der global gefeierte, gefürchtete und erlittene Jahrtausendwechsel ja weit weniger konkrete Auswirkung auf unser aller täglich Leben, als der in unserem Land gefeierte, gefürchtete und erlittene Regierungswechsel.
Keine Angst, die Politik (ich meine DIESE Politik) bleibt heute draußen. Mir geht es hier um Zukunftsvisionen jenseits der althergebrachten männlichen „Herr“schafts-Stile und -Spiele. Es geht um „machtvolles weibliches Handeln“, welches eine Umkehrung der menschenverachtenden, umweltvernichtenden, patriarchalen Ordnung herbeiführen sollte.
Dieser seit Jahrtausenden bestehenden Ordnung, die einseitig auf die Werte Erfolg und Leistung hin orientiert ist, die auf hierarchischen Prinzipien aufgebaut ist und unter der Frauen, Männer, Kinder, Tiere und Pflanzen zu leiden haben. Zu lange schon, wie ich finde.
Es geht darum, wie „weibliches Handeln“, – noch aktiveres, noch bewussteres, und vor allem noch selbstbewussteres – für eine Änderung, für eine Besserung der Verhältnisse sorgen kann. Und es sei darauf hingewiesen: Weibliches Selbstbewusstsein aufzubauen bedeutet nicht, Männer herabzusetzen!

Selbstvertrauen ist nötig
Weibliches Selbstvertrauen aufzubauen ist immer noch bitter nötig. Nötig angesichts der in Werbung und Medien kolportierten Botschaften von wegen weiblicher Körper und wie dieser zu sein hätte! Es gibt eine wahrhaft erschreckende Zunahme an Magersucht und Depressionen, auch schon bei ganz jungen Mädchen. Zum Beispiel jammern bereits 10jährige, dass sie zu dick sind und neulich hörte ich eine Vierjährige sagen: „Das Kleid zieh ich nicht an, da schau ich so fett aus!“
Weibliches Selbstvertrauen aufzubauen ist auch nötig im Bereich der Gesundheitsvorsorge. Ist nicht in unser aller Köpfen die Botschaft verankert, dass Schwangerschaft und Geburt in ärztliche Hände gehören, behandelt werden müssen, als ob es sich bei alldem um eine Krankheit handeln würde? Und welche von uns ist sich heute noch wirklich sicher, so ganz ohne künstliche Hormone durch den Wechsel zu kommen? Verunsicherung hat sich breit gemacht und viele sind heilfroh, die Verantwortung dem Spezialisten, dem „Herrn Doktor“ abgeben zu können. Ist uns eigentlich klar, dass wir die erste, eventuell zweite Generation sind, der diese Meinungen eingebläut werden, und dass es all die Jahrtausende bisher, in denen Frauen schwanger waren, Kinder gebaren und alt wurden keine Pharmaindustrie gegeben hat? Und ist uns auch klar, dass es trotz der Pharmaindustrie und den Tonnen von genommenen Hormonen und Medikamenten noch nie so viele Fälle an Brust- und Gebärmutterkrebs zuvor in der Geschichte gegeben hat wie heute? Ich bin froh, dass es Ärzte und Ärztinnen gibt, zu denen ich gehen kann, darum geht es nicht, wenn ich das schreibe. Es geht mir jedoch um das Bewusstmachen der Relation von Fremd- und Selbstbestimmung. Lassen wir uns doch nicht jede Entscheidung über unseren Körper aus der Hand nehmen, vertrauen wir unserer Intuition, unserem gesunden Hausverstand und der Weisheit unseres Körpers.
Die Aufforderung unser Selbstbewusstsein weiter aufzubauen könnte ich noch endlos weiterspinnen. In Bereichen wie Kultur und Kunst, Politik und Wirtschaft, Religion, Familienleben, Bildung, und so weiter… Frauen haben zwar schon aufgeholt und im Vergleich zu früher viele Freiheiten, jedoch kann von Ausgewogenheit in den Machtverhältnissen noch lange keine Rede sein.

Weibliche Macht?
Da bin ich nun bei dem Wort „Machtverhältnisse“ gelandet und die Frage stellt sich: Hat weibliches Handeln mit Macht zu tun? Ja hat es! Handeln – auch weibliches Handeln – hat zu tun mit „machen“!
Etwas machen hat aber noch nichts zu tun mit Gewalt! Vielleicht ist ja genau diese Verbindung von männlicher Macht mit männlicher Gewalt daran schuld, dass so viele Frauen mit dem Wort Macht nichts anfangen können und wollen. Davon sollten wir uns jedoch lösen. Ohne Macht sind wir hilflos, wir sind ausgeliefert, wir sind unfähig, ja im wahrsten Wortsinn ohn-mächtig! Eigenmacht zu haben bedeutet selbst zu entscheiden was ich will und was ich nicht will und dann auch dementsprechend zu handeln, zu „machen“ eben.
Es gibt auch eine Macht des Schenkens und eine Macht des Schützens. Es gibt eine Macht des Gebens, des Verteilens, oder die Macht, die Unterschiede der Menschen zu achten. Am besten wird der Gedanke nachvollziehbar, wenn wir uns eine Monarchin aus früherer Zeit vorstellen, in deren Macht es lag zu geben, zu nehmen, zu schützen oder zu achten. Ist das nicht Macht?
Und haben wir Frauen zu dieser Art Macht denn wirklich keinen Zugang? Doch! Übt nicht jede junge Mutter, die an ihren Sprössling niemanden ran lässt, oft nicht mal den Papa, Macht aus? Und wacht nicht manche Hausfrau streng über den Tagesablauf ihrer Lieben, über ihre Kleidung, ihr Essen, usw.? Heißt das nicht, dass wir ohnehin in gewissen Bereichen gewohnt sind „mächtig“ zu sein, dass wir es uns eben nur nicht bewusst machen? Ja, meiner Meinung nach ist das so.
Wenn ich jedoch vorhin von „weiblichem Handeln“ gesprochen habe, so geht es bei dieser Machtergreifung nicht um die Kinderziehung und um Kochrezepte, sondern es geht um Krieg und Frieden, um Umweltverschmutzung und globale Wirtschaft, um Technologie und Medien, letztendlich geht es um den Fortbestand der Menschheit. Die weibliche Beteiligung an diesen Themen ist gefragt! Wo und wie kann eine sich einbringen? Wo gibt es Bereiche, in denen wir aktiv und mächtig mitwirken können, statt uns zurückzuziehen in unsere gewohnten Einflussbereiche wie Haushalt und Familie? Das Interesse und Engagement von immer mehr Frauen ist gefordert. Das ist nicht nur zukunftsweisend, sondern es ist zukunftsentscheidend.