In Varanasi, heilige Stadt am Ganges

Varanasi, die heiligste Stadt der Hindus am Ganges und der ältesten durchgehend bewohnten Stadt der Welt. Nach einer Woche Aufenthalt zurück nach New Dehli. Heimflug.

04.10.2004 
Hallo! Nun bin ich also da – in Varanasi ehemals Benaares, einer irren Stadt, in der Tod und Leben, Schmutz und Schönheit so nah nebeneinander sind. Nach 25 Stunden mühsamster Zugfahrt, Hitze, Schmutz und Gestank, da am Ende des Waggons nahe der Toilette (vor der Tür dieser habe ich übrigens Kakerlaken in einer Größe gesehen, wie ich sie bisher nur im Film sah – 4 oder 5 cm groß),…
Na gut, alles geht mal vorbei, eine Erfahrung mehr und jetzt bin ich in einem wirklich netten Guesthaus. Eigentlich das sauberste und beste bisher. Das Restaurant am Dach bietet einen überragenden herrlichen Ausblick auf den Ganga. Ich war gestern Abend mit dem Boot – saß da ganz allein als speciell guest sozusagen – zwei Stunden in der Dämmerung und nachts, und heute eine Stunde bei Sonnenaufgang.
Einfach unbeschreiblich –  mir fehlen die Worte. Die Menschen baden da, waschen ihre Wäsche, verbrennen ihre Toten, schlafen, machen Joga-Übungen, meditieren, beten und singen, kaufen und verkaufen, kochen, baden, putzen die Zähne oder leben einfach da.
Die  „old city“ ist morsch und verdreckt. Man steigt von einer Kuhscheiße in den nächsten Abfallhaufen. Die Gassen sind meistens so etwa 1einhalb bis 2 Meter breit und gesteckt voll mit Menschen, Tieren und Waren.
So unglaublich es klingt, aber auch das hat einen Reiz. Die Leute grüßen, rufen schon aus der Ferne `Namaste!`, und sind selbstverständlich behilflich. Ohne Führer oder Hilfe von irgendeinem Jungen ist man hier in der Altstadt, die ein Labyrinth von schmalen, schmutzigen Gassen ist, hoffnungslos verloren.

Alles in allem macht mich diese Stadt mehr high als alles andere zuvor. Woran das liegt ist mir freilich nicht klar. Ich weiß nur, dass ich hier stundelang wie in Trance bin und überaus glücklich. Gestern Abend war ich bei einer Familie eingeladen zum Abendessen, der Mann ist Seidenhändler. Am Vormittag habe ich etwas bei ihm gekauft und weil ich so „nett“ bin und „something other than the most people“, hat er mich eingeladen und ich habe dort also zu Abend gegessen. Tja – ich könnte ja immer weiter erzählen, aber dann bleibt für daheim nix mehr. Ich hoffe euch allen gehts gut und wir sehen und ja nächste Woche!

Also, auf bald! Eure Elfie