Mit dem Jeep über den Himalaja

Noch eine 2-Tagesfahrt über den Himalaja, über den zweithöchsten Pass der Welt, (Taglang La 5328 m). Diesmal mit dem Jeep Richtung Süden nach Manali. Danach weiter mit dem Bus nach Dharamsala, dem Exilsitz des Dalai Lama.

12.9.2004 
Hallo ihr alle! Bin schon wieder aufgetaucht am anderen Ende des Himalaja. Ich mache in Manali 2 Tage Zwischenstation. So kann ich mich erholen von der irrsten Fahrt meines Lebens (und ich habe schon viele Fahrten hinter mir, allein wenn ich an die Lastwagenfahrten denke durch ganz Europa oder meine Reise allein mit dem Auto in die Türkei. Aber das hier war etwas Besonderes an Anstrengung, Schüttelei, gewaltiger Schönheit der Landschaft, Menge an Passüberquerungen und Raserei.
Die Auskunft war ja mit dem Jeep zu fahren, sei very comfortable und auch nicht teurer als mit dem local-bus. Ich habe also gebucht und dachte an eine Reise mit höchstens 6 Personen und etlichen zusätzlichen Fotopausen, was ja beim normalen Bus nicht geht. Nun, dem war nicht so.
11 Insassen (im 6-Sitzer!), ich mit 10 ladakhischen und tibetischen Männern eingepfercht in einen kaum gefederten bergtauglichen Jeep. Und ein junger halbverrückter Fahrer. Um 1 Uhr nachts ging los und ich erlebte den zweithöchsten Pass der Welt im Dunkel des nahenden Morgens.Davor lagen 4 Stunden rasender Fahrt von einer Haarnadelkurve in die nächste und das bei geöffnetem Fahrerfenster! Es zog einem die Kleider vom Leib und die Luft war schneidend kalt. Immerhin sind die Außentemperaturen in der Nacht in dieser Höhe so um die 3 Grad. Alle froren sich die Nase ab und als ich den Fahrer fragte, ob er denn nicht das Fenster schließen könnte, sah er mich an, als käme ich vom Mond oder würde ihn bitten mich zu heiraten.
NOT POSSIBLE! Unmöglich! Was ich mir denn einbilde – dies ist schließlich SEINE Seite. Nun gut, es war also eisernes Gesetz, dass bei offenem Fenster gefahren werden musste. Ich sah das bald ein, sowie alle anderen auch. Nach mehrmaligem Platzwechsel, (die Männer im Jeep waren hilfsbereit und sahen mich halb erstarrt dahinwelken) kam der Morgen heraufgekrochen hinter den Berggipfeln und mit ihm kamen auch die ersten Sonnenstrahlen. Ich hatte ein steifes Genick, schnupfte und war übermüdet und erschöpft vom anstrengenden Halten (dir Raserei bewirkte ja, dass ich hin- und hergeschleudert wurde und mich mit dementsprechend großer Kraftanstrengung ständig anhalten musste. Die Nieren stöhnten, das Kreuz ächzte, einzig die Bizeps wurden mal kräftig trainiert)
Aber: Ich habe überlebt! Mit der Sonne und der Wärme wurde alles besser, immerhin war ich dann beschäftigt mit Schauen auf die überwältigenden Berglandschaften, auf das Schauspiel der aufleuchtenden Sonne und wie sie die Gipfel in Flammen von Rot und Violett versetzte. So war ich etwas abgelenkt vom schmerzenden Sitzen. Wie gesagt, der Jeep hatte so gut wie keine Federung und aber so was von ungepolsterten Sitzbänken.

Die Fahrt dauerte dann noch bis abends um 8 Uhr, also von Morgens um 5 noch ca. 15 Stunden Nonstop. Diese ganze lange Streckte legte der Fahrer in diesem Tempo zurück. Am Ende war ich dann auch viel mehr fasziniert, als empört von seinem Durchhaltevermögen. Wie konnte man nur auf diesen hochgefährlichen, meistens nicht befestigten, engen bis engsten Staubstraßen 1000 oder 2000 m über dem Talgrund solange so konzentriert so schnell fahren??
Wir überquerten ich weiß nicht wie viele 4 und 5 Tausendmeter Pässe. Rauf und runter, Haarnadelkurven, hineingeschnitten in die Bergwände und kaum befahrbar. Wir überquerten Bäche genauso wie Schotterfelder oder halbfunktionierende Brücken oder Sandfelder wo nur der Fahrer wusste, wo hier eine Straße wäre. Atemberaubend kann ich euch sagen. Aber das beeindruckendste war dieses stete Rallye-Rasen. Im Höllentempo die Berge rauf und runter.

Wir fuhren ja Richtung Süden und die Landschaft ist hier eine ganz andere. Ich bin im Mekka aller Kiffer gelandet in Manali, wo auch die Beatles mal waren… hier dunstet es.
Und so wie ich mich an die trockene Luft und das schwer Atem bekommen in 3500 Meter Höhe in Leh gewöhnen musste, muss ich mich hier an den Dunst und die Hitze gewöhnen.
Den Geruch der Haschischpflanzen, die hier  in jedem Straßengraben wuchern, hat man ständig in der Nase. Ich muss aufpassen nicht allein davon high zu werden. Ansonsten ist die Landschaft hier vergleichbar mit unseren Alpen. Ich kam ja vom Rohtangpass herunter und da war einfach eine Alm! Ja genau wie bei uns weidende Kühe und Schafe. Bloß alles 5mal so hoch und monumentaler. Und zusätzlich zu den Kühen und Schafen diese unglaublichen Straßen, die für unsere Begriffe nicht befahrbar sind. In Wirklichkeit ist so eine Straße auch nicht befahrbar, aber mir ist einmal mehr aufgefallen: Hier geht alles was normal nicht geht.

Abgesehen von den weidenden Kühen und Schafen, arbeiten in diesen Höhen 100te von Menschen, ganze Familien mit Babys an der Straße. Sie alle sind buchstäblich schwarz gefärbt vom Asphalt, den sie da oben erzeugen (fragt mich nicht wie, es stehen so Fässer mit Teer und jede Menge Schotter herum und da dampft und rauchte es, dass einem Hören und Sehen vergeht) Frauen mit Babys am Rücken oder Kinder kehren mit winzigen Handbeserln den Schotterbelag sauber so gut es geht und die Männer streichen dann den noch dampfenden Asphalt so ungefähr 5cm dick auf. Fertig ist dann wieder eine asphaltierte Straße, die zwar nicht weniger holprig ist als die Staubstraßen, aber eben nicht mehr staubt. Die Hunderte Menschen, die daran arbeiten, sind wohl billig. Dabei ist Indien inzwischen zum Hauptsitz der Produktion für Microsoft geworden, wenn diese Info stimmt, die ich kürzlich gelesen habe. Ich wünsch euch was! Bis demnächst!

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